Die Rente reicht nicht. Die Arbeit hört nicht auf.
Jede dritte Person in der Schweiz rechnet damit, im Alter zusätzliches Einkommen zu brauchen. Das zeigt das neue Selbstbestimmungsbarometer 2026 von Swiss Life. Was die Studie über den Ruhestand verrät und warum Arbeiten im Alter vom Sonderfall zur Normalität geworden ist.
Der Ruhestand galt lange als klar gezogene Linie. Mit 65 ist Schluss, ab dann zahlen AHV und Pensionskasse. Dieses Bild hat Risse bekommen. Zum einen, weil viele nüchtern nachrechnen. Zum anderen, weil immer mehr gar nicht aufhören wollen.
Was die Studie zeigt
Swiss Life hat im Juli 2026 zusammen mit dem Institut Bilendi 1'000 Personen zwischen 18 und 79 Jahren in der Schweiz befragt. Die Resultate wurden am 5. Oktober 2026 veröffentlicht. Für das Thema Arbeiten im Alter sind vor allem diese Zahlen relevant:
Der Anteil derer, die sich selbst in der Verantwortung sehen, ist gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozentpunkte gestiegen. Nur 22 % verlassen sich darauf, dass der Staat sie bei Schwierigkeiten auffängt.
Die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit
82 % wollen finanziell selbstbestimmt leben. Tatsächlich so fühlen sich aber nur 44 %. 2019 waren es noch 51 %. Die Lücke zwischen Anspruch und Realität ist damit 38 Prozentpunkte gross.
Dazu passt, dass nur 31 % ihren Ruhestand gut geplant haben und 28 % sich mehr Finanzwissen wünschen. Viele wissen also, dass die Rechnung nicht ganz aufgeht. Einen Plan dafür haben die wenigsten.
Es gibt auch eine gute Nachricht. Bei den Pensionierten ist die finanzielle Zuversicht um 8 Prozentpunkte auf 40 % gestiegen. Über alle Altersgruppen erwarten 58 %, dass sich ihre Finanzen in den nächsten zehn Jahren positiv entwickeln.
Arbeit als zusätzliche Einkommensquelle
Woher soll das zusätzliche Geld kommen? Die naheliegendste Antwort ist weder das Erbe noch der Lottoschein. Es ist die Arbeit.
Auf unseren Plattformen Rent a Rentner und Hire a Rentner bieten über 4'000 Pensionierte ihr Können an. Sie arbeiten als Handwerker, Gärtnerinnen, Buchhalter, Fahrer oder Mentorinnen, für Privatpersonen und für Unternehmen. Manche tun es wegen des Geldes, die meisten wegen des Sinns, und fast alle, weil sie selber bestimmen wollen, wie viel und wofür.
Genau darin liegt die Verbindung zur Studie. Wer im Alter arbeitet, ergänzt nicht nur die Rente. Er bestimmt selber, wie sein Ruhestand aussieht.
Vom Sonderfall zur Selbstverständlichkeit
Als wir vor 17 Jahren mit Rent a Rentner gestartet sind, war Arbeiten nach der Pensionierung noch etwas Exotisches. Wir mussten Überzeugungsarbeit leisten, bei den Auftraggebern genauso wie bei den Rentnerinnen und Rentnern selbst.
Heute ist es selbstverständlich geworden. Pensionierte, die weiterarbeiten, müssen sich nicht mehr erklären. Dieses Umdenken haben wir mit angestossen.
Was das für Unternehmen bedeutet
Für Unternehmen ist die Generation 60+ damit doppelt interessant.
Als Zielgruppe: Sie ist kaufkräftig, gut informiert und denkt über ihre Zukunft nach. Wer Vorsorge, Finanzen, Wohnen oder Gesundheit anbietet, trifft auf ein wachsendes Bedürfnis nach Planung und Orientierung.
Als Arbeitskräfte: Ein Drittel rechnet mit zusätzlichem Einkommensbedarf im Alter. Gleichzeitig fehlen in vielen Branchen Fachkräfte. Erfahrene Pensionierte können diese Lücke schliessen, flexibel und projektbezogen.
Beides gelingt nur mit der richtigen Ansprache. Wer ältere Menschen als «Senioren» abstempelt oder sie mit Klischees von Kreuzfahrt und Gartenbank anspricht, erreicht sie nicht. Die Generation 60+ will auf Augenhöhe angesprochen werden, als aktive, selbstbestimmte Menschen.
Fazit
Das Swiss Life-Barometer bestätigt, was wir seit Jahren beobachten: Die Menschen wollen im Alter selbst bestimmen, und viele wissen, dass die Rente allein dafür nicht reicht. Arbeit ist die Brücke zwischen diesem Wunsch und der Wirklichkeit.
Arbeiten im Alter ist kein Notnagel. Es ist die modernste Form der Altersvorsorge.
Zur Studie: Swiss Life-Selbstbestimmungsbarometer 2026. Online-Befragung von Swiss Life und Bilendi, 6. bis 17. Juli 2026, 1'000 Personen zwischen 18 und 79 Jahren in der Schweiz.