Der Mann, der nicht in Rente gehen wollte.
Peter Hiltebrand ist am 20. Juli 2026 im Alter von 81 Jahren gestorben. Ohne ihn gäbe es Rent a Rentner nicht – und ohne ihn wäre die Schweiz um eine Idee ärmer, die Millionen Menschen anders auf das Alter blicken liess.
Die Geschichte, wie alles begann, hat Peter selbst am liebsten erzählt. Frisch pensioniert wollte er eines Morgens ins Geschäft – bis seine Frau ihn zurückpfiff: «Halt Peter, du bleibst hier. Du bist jetzt pensioniert.» Also blieb er. Er kontrollierte sämtliche Lampen im Haus, wusch Bunt- und Weisswäsche zusammen, saugte den Ehering seiner Frau in den Staubsauger und liess ihr die Hochzeitsvase aus der Hand gleiten. Danach war klar: Haushalt war nicht seine Bestimmung.
Aus «Was soll ich jetzt tun?» wurde eine Weltneuheit
Peter wollte arbeiten. Nicht müssen – wollen. Er hatte Jahrzehnte lang gute Arbeit geleistet und spürte: Da ist noch so viel drin. In einem ratlosen Gespräch mit seiner Tochter Sarah und deren Partner Reto Dürrenberger, die in Zürich eine Werbeagentur führten, fiel der Satz, der alles auslöste: So geht es doch Tausenden Rentnerinnen und Rentnern in diesem Land.
2009 war die Idee geboren – die weltweit erste Online-Arbeitsvermittlungsplattform für Rentnerinnen und Rentner. Eine Kaffeeidee am Frühstückstisch. Niemand am Tisch ahnte, was daraus werden würde.
Vom Küchentisch nach Tokio
Was folgte, überraschte selbst die Gründer. Rent a Rentner erregte Aufmerksamkeit in der ganzen Schweiz und weit darüber hinaus. Interviewanfragen aus aller Welt, Franchise-Interesse aus Ländern, die man erst auf der Karte suchen musste, ein Marketingpreis nach dem anderen. 2019 dann der Höhepunkt: In Tokio wurde Rent a Rentner mit dem SilverEco Award ausgezeichnet – Weltmeister im Seniorenmarketing. Nicht schlecht für einen Mann, der eigentlich nur seiner Frau nicht länger im Haushalt im Weg stehen wollte.
Sein eigentliches Vermächtnis
Preise sind schön. Aber Peters Vermächtnis liegt tiefer. Er hat vorgelebt, was heute das Fundament unserer Arbeit ist: Der Mensch hört mit der Pensionierung nicht auf, wertvoll zu sein. Erfahrung verfällt nicht am 65. Geburtstag. Das Bedürfnis, gebraucht zu werden, etwas beizutragen, dazuzugehören – das bleibt.
Aus diesem einen Wunsch ist die Vision eines ganzen Unternehmens geworden. Sie ermöglicht bis heute unzähligen Rentnerinnen und Rentnern einen aktiven Alltag, echte Wertschätzung und den Austausch mit anderen Generationen. Jede Vermittlung, jeder Auftrag, jedes «Ich werde noch gebraucht» trägt ein Stück Peter Hiltebrand in sich.
Und der Humor?
Der blieb bis zuletzt. Wer Peter kannte, weiss: Er nahm die Sache ernst, aber selten sich selbst. Noch seine Todesanzeige trug seine Handschrift – mit einem Augenzwinkern, das typischer nicht sein könnte. Genau diese Mischung aus Tatkraft und Leichtigkeit hat ihn und alles, was er anfasste, geprägt.
Wir verlieren einen Mitgründer, einen Urvater, einen Menschen, der das Alter nicht als Endstation verstand, sondern als Einladung, noch einmal ganz neu anzufangen.
Danke, Peter. Für die Idee. Für den Mut. Für den Löffel, den du uns – im besten Sinne – in die Hand gedrückt hast.
Die Trauerfeier findet am 19. August 2026 um 14.30 Uhr in der reformierten Kirche in Bülach statt. Unsere Gedanken sind bei Sarah und der ganzen Familie Hiltebrand.